Die NEMO-Langzeitstudie

Auf der Neuropädiatrie der Kinderklinik wird eine Studie zur langfristigen Entwicklung ehemals frühgeborener Kinder durchgeführt – die NEMO-Langzeitstudie

Die Rate frühgeborener Kinder hat in der Schweiz aufgrund des medizinischen Fortschritts und des gesellschaftlichen Wandels in den letzten Jahren stark zugenommen. Das Risiko, Lern- und Schulprobleme zu entwickeln, ist bei frühgeborenen Kinder und Jugendlichen um einiges erhöht.

Die Forschungsresultate der NEMO-Studie zeigen, dass frühgeborene Kinder eine andere Hirnentwicklung aufweisen als gesunde Termingeborene. Die anfänglich verpasste Entwicklung und die damit einhergehenden möglichen Abweichungen der Gehirnstruktur und der Kognition können aber unter gewissen Umständen bis ins Schulalter aufgeholt werden kann. Diese erfreuliche Beobachtung konnten wird bei 127 Kindern im Rahmen der NEMO-Studie am Inselspital in Bern anstellen und in vielen wissenschaftlichen Artikeln sowie einem Fachbuch publizieren.

Resultate aus der NEMO-Studie

Die Gehirnaktivierungen der jüngeren früh- und termingeborenen Kinder während der Sprachaufgabe unterscheiden sich stark. Dieser Unterschied ist bei älteren Kindern (10-12 Jahre) nicht mehr zu beobachten.

Um Prognosen über die langfristige Entwicklung von sehr Frühgeborenen machen zu können, sind Langzeitdaten unabdingbar. Die NEMO-Langzeitstudie soll darum einen Schritt weitergehen und die frühgeborenen Personen in der Pubertät nachuntersuchen. Dies würde es ermöglichen, den Entwicklungspfad frühgeborener Kinder vom Grundschulalter bis hin zur Pubertät zu ermitteln und mögliche Entwicklungsunterschiede auf Ebene der Gehirnstruktur, der Gehirnfunktion und der Kognition zu entdecken.

Von April 2016 bis Ende 2017 wird die NEMO-Langzeitstudie am Inselspital Bern durchgeführt. Innerhalb der NEMO- Langzeitstudie werden wir etwa 80 ehemals frühgeborene Kinder und 50 termingeborene Kinder, welche zwischen 13 bis 18 Jahre alt sind, zum zweiten Mal mit neuropsychologischen Tests untersuchen (ca. 2 Stunden) um herauszufinden, wie gut das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und das planerische Denken funktionieren.

Neuropsychologischer Test aus der NEMO-Studie

 

Um mehr über die Funktionsweise des Gehirns während der Pubertät zu erfahren, werden wir erneut eine Magnetresonanztomographie (MRI) durchführen um spezielle Hirnareale ausmessen zu können (ca. 30 Minuten). Während der MRI Untersuchung werden eine Sprach- und eine Gedächtnisaufgabe gelöst. Dieses Verfahren zeigt auf, welche Hirnareale bei Sprach- und Gedächtnisaufgaben besonders stark aktiviert sind. Im Vergleich zur Untersuchung im Kindesalter können wir dadurch Aussagen über die Entwicklung des Gehirns, der Sprache und des Gedächtnis machen.

Funktionales MRI der Sprache

 

Die Untersuchungsresultate könnten es erlauben, bessere Prognosen zur Entwicklung von frühgeborenen Kindern zu formulieren und Unterstützungsmassnahmen für frühgeborene aber auch für Kinder mit einem atypischen Entwicklungsverlauf aufzustellen.

Weitere Auskünfte zur NEMO-Langzeitstudie geben gerne:

PD Dr. Regula Everts und Dr. Ines Mürner-Lavanchy, 
Neuropädiatrie, Universitätsklinik für Kinderheilkunde
Tel. +41 (0)31 632 50 66

E-Mail: nemostudie@no-spamgmail.com

Publikationen aus der NEMO-Studie

Everts R & Ritter B (2013). Memo, der vergessliche Elefant: Mit Gedächtnistraining spielerisch zum Lernerfolg. Hans Huber Verlag, Bern (Neuauflage ab Herbst 2016)

Everts, R., Wapp, M., Ritter, B., Perrig, W., & Steinlin, M. (2015a). Effect of different memory training approaches in children born very preterm. Advances in Pediatric Research, 2:13.

Everts, R., Mürner-Lavanchy, I., Schroth, G., & Steinlin, M. (2015b). Neural change after different memory training approaches in children born very preterm. Developmental Neurorehabilitation, 19:1-11.

Mürner-Lavanchy, I., Ritter, B. C., Spencer-Smith, M. M., Perrig, W. J., Schroth, G., Steinlin, M., & Everts, R. (2014a). Visuospatial working memory in very preterm and term born children - impact of age and performance. Developmental Cognitive Neuroscience, 9, 106–116.

Mürner-Lavanchy, I., Steinlin, M., Nelle, M., Rummel, C., Perrig, W. J., Schroth, G., & Everts, R. (2014b). Delay of cortical thinning in very preterm born children. Early Human Development, 90, 443–450.

Mürner-Lavanchy, I., Steinlin, M., Kiefer, C., Weisstanner, C., Catherine, R. B., Perrig, W. J., & Everts, R. (2014c). Delayed development of neural language organization in very preterm born children. Developmental Neuropsychology, 39, 529-42.

Ritter, B.C., Nelle, M., Perrig, W., Steinlin, M., & Everts, R. (2013). Executive functions of children born very preterm--deficit or delay? European Journal of Pediatrics, 172, 473-83.

Ritter, B.C., Nelle, M., Perrig, W., Steinlin, M., & Everts, R. (2013b). Influence of gestational age and parental education on executive functions of children born very preterm. Neonatal Biology, 2, 120-126.

Ritter BC, Steinlin M, Perrig W, Everts R. Do cognitive and behavioural measures of executive functions measure the same concept in children born very preterm? Child Neuropsychology 2014; 4, 129-144

Spencer-Smith, M., Ritter, B.C., Mürner-Lavanchy, I., El-Koussy, M., Steinlin, M., & Everts, R (2013). Age, sex, and performance influence the visuospatial working memory network in childhood. Developmental Neuropsychology, 38, 236-55.